Aus
der Geschichte von Hochdorf
| Hochdorf
Die Anfänge
Alemannen Einzug des Christentums Der Name Hochdorf
Frühgeschichte
Brände Neuzeit Das ungemein schnelle Wachstum hatte Licht- und Schattenseiten. Neben dem weltmännischen Treiben der Industriekapitäne berichtet die Chronik auch von sozialer Unrast und Streiks. Vernünftige Männer, unter ihnen vor allem Kaplan Hüsler, sorgten dafür, dass die Hochdorfer Arbeiter nicht "verproletarisierten", sondern mit der mittelständischen Umwelt verbunden blieben. Die gegenseitige Verschmelzung zwischen alteingesessenen Familien, Industriellen, zugezogenen Arbeitern und Angestellten ist eine eigenständige Leistung Hochdorfs.
Über die wirtschaftliche Blüte zu Beginn des 20. Jh. brach 1911, mit dem Konkurs der Schokoladenfabrik Lucerna, ein erster Frost herein. Weitere Rückschläge brachten die beiden Weltkriege und die Krisenzeit der Dreissigerjahre. Eine neue Blüte begann nach 1945. Die bestehenden Industrie- und Gewerbebetriebe erholten sich, aber auch neue Unternehmen zeigten sich erfolgreich. Die guten Steuereinnahmen erlaubten der Gemeinde vieles nachzuholen und sich solid aufzubauen. |
Baldegg
Das heutige Bild von Baldegg wird nach wie vor von den Kloster und Institutsgebäuden geprägt. Nach dem Sempacherkrieg zerstörten die Eidgenossen die Burg der Ritter von Baldegg. Sie wurde später wieder aufgebaut. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte öfters der Besitzer. 1830 kauften die Gebrüder Ineichen – Pächter auf dem Staatshof Hohenrain – im Namen der von Kaplan Josef Leonz Blum aus Hochdorf die Burg. Zusammen mit sieben Schwestern aus Ermensee gründete Kaplan Blum ein Institut zur hauswirtschaftlichen Heranbildung von Landmädchen. 1844 wurde diese Schwesterngenossenschaft kirchlich anerkannt. Das ehemalige Ritterschloss wurde zum Mutterhaus von etwa 1000 Schwestern – den "Schwestern von der Göttlichen Vorsehung" in Baldegg. Während in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts die alteingesessenen Familien sich durchwegs der Landwirtschaft widmeten, unterhalten heute nur noch einzelne Familien grössere Bauernhöfe. Der grösste Betrieb gehört dem Schwesterninstitut. Urswil-Ligschwil
Die Höfe von Urswil und Ligschwil waren vor vielen Jahrhunderten nach Zürich zinspflichtig, dann waren sie Besitz der Lenzburger, Kyburger und zuletzt der Habsburger. Einzelne Höfe gehörten dem Stift Beromünster, auch Engelberg und das Johanniterhaus Hohenrain hatten Anrecht auf Bodenzinse. In einer Urkunde des 16. Jahrhunderts sind 27 Höfe mit gemeinsamem Wald und eigenem Dorfrecht erwähnt. Die Kapelle wurde um die Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Johanniter von Hohenrain erbaut. Im Jahre 1956 wurde sie Eigentum der Korporation von Urswil. Diese hat sie ansprechend renoviert. Die Seetalbahn Für eine Eisenbahnlinie von Olten nach Luzern über Aarau – Lenzburg – Hochdorf kämpften einflussreiche Männer im Aargau schon in den Jahren 1851-57. Sie erreichten aber ihr Ziel nicht. Erst im Jahre 1880 fand sich eine englische Finanzgruppe bereit, das Geld in eine normalspurige Strassenbahn zu investieren. Im Auftrag der "Lake Valley of Switzerland Railway Company" plante Ingenieur Th. Lutz den Bau. Der erste Spatenstich erfolgte am 24. April 1882 in Hochdorf. Am 3. September 1883 konnte der Betrieb zwischen Emmenbrücke und Beinwil und sechs Wochen später durchgehend bis Lenzburg aufgenommen werden. Man bemühte sich, den Gästen die lange Fahrt angenehm zu gestalten, sogar Buffet- und Salonwagen wurden eingesetzt. Theophil Schmidlin, Direktor der Seetalbahn von 1889 bis zur Verstaatlichung der Bahn im Jahre 1922, hatte sich mit viel Erfolg für die Ansiedlung von Industrie bemüht. Zur Zeit der Bahngründung zählte Hochdorf etwa 1350, im Jahrhundertwechsel 1645 und 10 Jahre später 3013 Einwohner. Hochdorf als Amtshauptort
Das Amt Hochdorf wurde bei der Neueinteilung des luzernischen Staatsgebietes im Jahre 1815 festgelegt. Vor der französischen Revolution gehörte der südliche Teil des Seetals – mit ihm auch Hochdorf – zum Amt Rothenburg. Die meisten Gemeinden des Hitzkirchertals bildeten 1798 einen Teil der Freien Ämter; Schongau und Ermensee waren Exklaven des alten Michelsamtes. Der Amtsrat des neugeschaffenen Amtes Hochdorf, bestehend aus dem Amtsstatthalter, zwei Beisitzern und dem Amtsschreiber, sowie der Oberamtmann residierten zunächst in Hohenrain in der im Jahre 1807 aufgehobenen Johanniterkommende. Später zogen sie in das zentraler gelegene Hochdorf. "Amtsrat" und "Oberamtmann" verschwanden im Laufe der Zeit wieder aus dem luzernischen Staatskalender. Aus verschiedenen Reorganisationen sind die heutigen Amtsbehörden hervorgegangen.
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| Katholische
Kirchgemeinde Die katholische Kirchgemeinde reichte früher vom Hitzkirchertal bis nach Emmen und von Rain, Hildisrieden und Römerswil bis Hohenrain. Die barocke Kirche "St. Martin", eingerahmt vom schlichten
Beinhaus und Pfarrhaus mit Stufengiebel, gilt als eine der schönsten
Kirchenansichten und steht daher zusammen mit den Kaplaneien "Peter
und Paul" und "Heilig Kreuz" und dem Haus Photo Rieder
(ehemaliges Schulhaus) unter Denkmalschutz. Die Kirche wurde 1758 von Baumeister Jakob Singer in Zusammenarbeit mit den Gebrüdern Purtschert erbaut. Jakob Moosbrugger gestaltete die Altäre, Johann Baptist Babel einzelne Figuren und Johann Melchior Wyrsch das Hochaltarbild. In den Jahren 1939-1941 und 1983-1985 wurde die Kirche renoviert. Der Kirchenschatz von St. Martin birgt nebst wertvollen Sakralgegenständen einige kunstvolle gotische und barocke Plastiken. Im Schatten der Kirche liegt der Friedhof. Die gediegene Friedhofanlage wird von sehenswerten Hallengräbern gesäumt. Das Pfarreiheim mit Saal, Vereinslokalen, Spielzimmern, Bastelräumen usw. ist ein wertvoller Treffpunkt. |
Evangelisch-reformierte
Kirchgemeinde Ende 1901 schlossen sich einige Dutzend Familien in der rechtlichen Form einer Genossenschaft zusammen. Die Gottesdienste wurden von dieser Zeit an monatlich einmal und zusätzlich an kirchlichen Feiertagen im Schulhaus von Hochdorf gehalten. Die Gläubigen wurden von Pfarrern aus der aargauischen Nachbarschaft und später abwechslungsweise von Pfarrern der Kirchgemeinde Luzern betreut. Im Jahre 1925 wurde der erste hauptamtliche Pfarrer gewählt. 1927 trat im Kanton Luzern das neue Gesetz in Kraft, wonach sich auch die evangelisch-reformierten Bürger zu Gemeinden mit öffentlichem Charakter vereinigen konnten. Die Kirche und das Pfarrhaus wurden im Jahr 1929 in Hochdorf gebaut, denn hier war der überwiegende Teil der reformierten Gemeindemitglieder ansässig. Die Schweiz. Reformationskollekte leistete eine beträchtliche finanzielle Hilfe für den Bau. Aber den massgeblichen Impuls zum Baubeschluss gab der Protestantisch-kirchliche Hilfsverein des Kantons Thurgau, denn er hatte sich verpflichtet, der finanziell schwachen Gemeinde mit namhaften jährlichen Beiträgen unter die Arme zu greifen. Ein weiterer Markstein in der Geschichte der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde war die Eingliederung in den höheren Verband der 1969 entstandenen Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. |
| Kultur,
Vereine, Bräuche Um die Jahrhundertwende – zur Zeit der wirtschaftlichen Blüte – herrschte hier ein reges kulturelles Leben. Der Seetalbahndirektor Th. Schmidlin, der Förderer der Wirtschaft, war im kulturellen Bereich eine ebenso überragende Persönlichkeit. Im riesigen Theaterbau beim Bahnhof, auf dem Areal der heutigen Landwirtschaftlichen Genossenschaft, gingen die vaterländischen Dramen des Hochdorfer Heimatdichters Peter Halter über die Bretter. Die Laienspieler aus unserer Gemeinde erfreuten die mit der Bahn hergereisten Gäste. Verschiedene Vereinsgründungen gehen auf jene Zeit zurück, u.a. die beiden Musikgesellschaften und der Männerchor. Beim Casino – das Gebäude stand am Platz des heutigen Modehauses Winiker – fuhren die noblen Herren und die in Pelz gekleideten Damen in Landauern vor. Im Volksmund hiess diese Vergnügungsstätte "Pelzmühle". Die im Jahre 1953 gegründete Martinizunft hat sich der Fasnacht verschrieben. Wenn am Schmutzigen Donnerstag, morgens um fünf Uhr, die Guuggenmusigen durch das Dorf ziehen, weiss jedermann, dass die Narrenzeit angebrochen ist. Der Umzug am Güdisdienstag gehört zur Tradition der Zunft. Die Besuche des Martinivaters mit seinem Gefolge in den Heimen "Rosenhügel", "Sonnmatt" und in den Sonderschulen von Hohenrain bringen dort frohe Stimmung und geben der Fasnacht einen tieferen Sinn. Wenn anfangs Dezember Sankt Nikolaus feierlich ins Dorf einzieht, erfreut er damit nicht nur Kinderaugen. Mit diesem stimmungsvollen Einzug, von vielen Schulklassen mit selbstgebastelten Sujets und den Treichlern begleitet, wird ein alter Brauch hochgehalten. Eine besondere Stimmung bringen die beiden Markttage – im Frühjahr und im Herbst Martini – ins Dorf. |
Kunst
und Künstler Johann Jakob Frey (1681-1752) Jost Berhard Häfliger (1759-1837)
Peter Halter (1856-1922) |
Quellen:
Hochdorf im Luzerner Seetal, Begrüssungsschrift aus dem
Jahre 1972
Unterwegs im Kanton Luzern, 1971
Zur Geschichte der Pfarrei zu St. Martin in Hochdorf 962-1962, Millenarium
Hochdorf, 1962
Chronik der
Regionalbibliothek Hochdorf ![]()
Weiterführende Literatur (in der Bibliothek Hochdorf
erhältlich): ![]()